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"Zuversicht" (Adalbert Stifter)

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Erzählkünstler
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Jan 19, 2026
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Summary

Vatermord! Lassen wir Sigmund Freud, Sophokles’ Ödipus und auch die spätestens seit Erich Fromm geltende symbolische Bedeutung dieses Begriffs außen vor. Denn das alles spielt in Adalbert Stifters mitreißender Novelle „Zuversicht“ keine Rolle. Dieser Autor lässt den Sohn wirklich den Vater töten, und das ganz bewusst! Unglaublich eigentlich, aber wahr in der literarischen Wirklichkeit. Ein Tabubruch sondergleichen. In einem Moment lässt der Sohn alles hinter sich: Beziehungen, Zukunft, gar das eigene Leben. Denn dem Schuss auf den Vater folgt ein Splattermovie-ähnliches Geschehen, das dann endgültig alles zunichte macht, was hätte folgen können. Es hätte eine neue Familie entstehen können, es hätte zu einer Versöhnung zwischen den Verkrachten kommen können, eine Frau wäre nicht Alleinerziehende eines unehelichen Kindes gewesen (im 19. Jahrhundert!) und das Kind wäre in einer entwicklungsfördernden Umgebung aufgewachsen. Zu all dem kam es nicht, weil ein väterlicher Brief den Sohn nie erreicht. Bei ihrem soldatischen Zusammentreffen, als sie tot nebeneinander liegen, kommt der Brief dem Adressaten dann doch noch nah. Man fand in der Jacke des Vaters „das Konzept eines Schreibens“, das Versöhnung offenbarte und all das Beschriebene in Aussicht stellte. Der Brief überlebt, Absender und Adressat sind tot. Stifters Text versprüht eine ungeheure ästhetische Kraft, die Tragik und Gewalt mit sich führt. Wer mitfühlt, spürt die Energie! Dabei fängt alles langsam, geradezu ruhig an. Der Autor lässt einen älteren Herrn in einer zunächst sehr regen Gemeinschaft, die über die „Schreckenszeit“ in Österreich nach der Französischen Revolution diskutiert, etwas ganz Außergewöhnliches aus jener Zeit erzählen, das zwei einstige Dorfbewohner betrifft: Vater und Sohn, aristokratischer Herk…